ARNSTADT / GESCHICHTE BIS 1500

Von der Vorgeschichte bis um 1500

Arnstadt.
Spuren einer
alten Stadt.

Unter Arnstadts Straßen liegen Spuren der Römerzeit. Über ihnen stehen Kirchen, deren Bau Generationen beschäftigte. Diese Geschichte führt von den ersten Siedlungen bis zur Stadt um 1500, mit archäologischen Funden, alten Urkunden und den Sagen, die man sich hier erzählte.

Stand 19.09.2026 · Vorgeschichte bis Mittelalter · 26 Quellen

Historischer Kupferstich mit Arnstadts Dächern, Türmen und Befestigungen vor bewaldeten Höhen.
Arnstadt im Merian-Stich

Die Stadtansicht aus der Topographia Superioris Saxoniae (1650) zeigt das frühneuzeitliche Arnstadt. Für die Römerzeit ist sie kein Bildzeugnis.

Matthäus Merian · Bildquelle · Gemeinfrei · Groß ansehen ↗
Der zeitliche Überblick

Von den ersten Spuren zur Stadt um 1500

Die Abstände sind nicht maßstäblich.
Jede Station führt zum passenden Kapitel.

  1. JungsteinzeitLeben und Bestatten

    Am Egelsee und in Rudisleben wurden gemeinschaftliche Grabanlagen gefunden. Sie stammen aus einer Zeit, aus der uns keine schriftlichen Ortsnamen überliefert sind. [6]

  2. Bronze- und EisenzeitDie Alteburg

    Funde mehrerer Epochen und eine eisenzeitliche Wallanlage belegen die frühe Nutzung des Berges. [1]

  3. Römische KaiserzeitImporte in Arnstadt

    Bei der Grabung von 2017 fanden Archäologen in der heutigen Altstadt Spuren der Kaiserzeit und Scherben römischen Tafelgeschirrs. [2]

  4. 2. Hälfte des 3. Jh.Haarhausen produziert

    Im Umland entsteht graue Drehscheibenkeramik mit römischer Technik. [3]

  5. Um 500 / 531Das Thüringerreich

    Das Thüringerreich prägt die Geschichte der Region um 500. Im Jahr 531 unterliegt es den Franken. [7]

  6. 704Arnstadt in einer Urkunde

    Eine Schenkung nennt Arnstadt. Überliefert ist sie in einer wesentlich späteren Abschrift. [8]

  7. 954Ein König in Arnstadt

    Otto I. hält nach dem Aufstand Liudolfs eine Versammlung in Arnstadt ab. [22]

  8. 1220 / 1266Stadt und Stadtrecht

    Auf die Bezeichnung als Stadt folgt das Hersfelder Stadtrechtsprivileg vom 21. April 1266. [13] [14]

  9. Um 1309Die Nonnen ziehen in die Stadt

    Das Walpurgiskloster wird vom Berg an die Liebfrauenkirche verlegt. [16] [17]

  10. 1332Die Schwarzburger übernehmen

    Die Grafen kaufen den Hersfelder Anteil an Arnstadt. [14]

  11. 1349Pogrom gegen die jüdische Gemeinde

    Fast alle jüdischen Bewohner werden ermordet. [18]

  12. 1404Ein Eintrag in der Klosterrechnung

    Ausgaben für Bratwurstdärme geben einen seltenen Einblick in den Küchenalltag. [21]

  13. 1498 / um 1500Am Ende des Mittelalters

    Der Flügelaltar von 1498 ist erhalten. Viele heutige Bauten wurden später stark verändert. [19]

Orte und Landschaft

Arnstadt auf der Karte

Heutige Orientierung und historische Ansicht im Vergleich.

Mit den Schaltflächen lässt sich zwischen Altstadt, Kirchenviertel, Alteburg und Haarhausen wechseln. Die Karte zeigt die heutigen Orte und Straßen. Antike Siedlungsgrenzen und mittelalterliche Straßenverläufe sind nicht rekonstruiert. Die Kartendaten lädt OpenStreetMap.

Historischer Plan von Arnstadt und Umgebung von H. A. Ehrlich mit Straßen, Gewässern, Stadtvierteln und der Alteburg.
Arnstadt auf dem Stadtplan von 1869

H. A. Ehrlichs Plan zeigt die Stadt und ihre Umgebung im 19. Jahrhundert. Er hilft beim Vergleich der Ortslagen, ist aber keine Karte des römischen oder frühmittelalterlichen Arnstadts. Digitalisat aus dem Center for Jewish History.

Herman Ehrlich, auch H. A. Ehrlich · Bildquelle · Gemeinfrei · Groß ansehen ↗
Falschfarbiges Geländemodell der Alteburg, das Höhenunterschiede und lineare Geländeformen hervorhebt.
Die Alteburg im digitalen Geländemodell

Das 2020 veröffentlichte Geländemodell macht Höhenunterschiede durch Farben sichtbar. Die Linien im Gelände können unterschiedlich alt sein und verschiedene Ursachen haben. Das Alter einer Befestigung lässt sich am Bild allein nicht ablesen.

Michael Köhler, Falschfarbendarstellung; Datengrundlage © GDI-Th · Bildquelle · CC BY 4.0 · Groß ansehen ↗

Bilddateien inhaltlich unverändert, teils als Wikimedia-Vorschaubild in kleinerer Auflösung. Die jeweils verlinkte Bildlizenz gilt weiter.

Panoramablick über die Dächer von Arnstadt, mit bewaldeten Höhen und der Wachsenburg im Hintergrund.
Arnstadt und seine Landschaft

Arnstadt im Januar 2014, mit der Wachsenburg im Hintergrund. So sieht die heutige Landschaft aus.

Kartenlaser · Bildquelle · CC BY-SA 3.0 · Groß ansehen ↗
01
Stadtgebiet · Jungsteinzeit

Bevor der Ort einen überlieferten Namen hatte

In Mitteleuropa dauerte die Jungsteinzeit ungefähr von 5500 bis 2200 v. Chr. Aus dieser langen Epoche stammen auch frühe Spuren menschlichen Lebens im Raum Arnstadt. Wann hier die erste Siedlung entstand, lässt sich mit dieser Zeitangabe allein nicht sagen. [9]

Am Egelsee und in Rudisleben wurden gemeinschaftliche Grabanlagen gefunden. Der Archäologe Mario Küßner untersucht sie in seinem Aufsatz über die spätneolithischen Totenhütten zwischen Gotha und Arnstadt. Seine Übersicht umfasst Anlagen aus der Zeit von etwa 3400 bis 2900 v. Chr. Auch die Alteburg nennt er als vorgeschichtlichen Siedlungsplatz. Menschen haben diese Gegend also schon lange genutzt. Ob sie seitdem durchgehend bewohnt war, ist damit noch nicht geklärt. [6]

02
Stadtgebiet · Vorgeschichte

Die Alteburg ist älter als ihre mittelalterlichen Spuren

Acker und Feldweg vor dem bewaldeten Gelände der Alteburg in Arnstadt.
Am Rand der Alteburg

Äcker, Wege und Gehölze auf der Alteburg, aufgenommen im Oktober 2014. Unter diesem Gelände liegen die Spuren des vorgeschichtlichen Siedlungsplatzes.

Giorno2 · Bildquelle · CC BY-SA 4.0 · Groß ansehen ↗

Die Alteburg war schon lange vor dem Mittelalter besiedelt. Die Stadt beschreibt dort eine eisenzeitliche Wallanlage von rund 23 Hektar, die später zur mittelalterlichen Stadtbefestigung gehörte. Als ein Spielplatz gebaut wurde, untersuchte das Landesamt das Gelände erneut. Im Bericht vom Januar 2025 werden Funde aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der vorrömischen Eisenzeit genannt. [1]

Zu den Funden gehören Keramikscherben, Spinnwirtel, Reste von Reibemühlen und Werkzeuge aus Hornstein. Der kurze Bericht datiert die Stücke und Bauphasen nicht einzeln. Ein genaues Gründungsjahr oder eine lückenlose Besiedlung lässt sich daraus deshalb nicht ableiten. [1]

Auch eine Gründungsgeschichte führt auf die Alteburg: Von hier soll der Frankenkönig Merowig die Stadt gegründet haben. Schon die ältere Arnstadt-Chronik führt diese Erzählung als Sage. Wie die Siedlung tatsächlich entstand, erklärt sie nicht. [10]

03
Stadtgebiet · Römische Kaiserzeit

Römisches Geschirr unter der heutigen Altstadt

Arnstadt lag außerhalb des Römischen Reichs. Wenn Archäologen hier von der römischen Kaiserzeit sprechen, meinen sie die Epoche. Römische Herrschaft ist damit nicht gemeint. Kontakte gab es trotzdem, wie das Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar für die germanischen Gemeinschaften Thüringens beschreibt. [5]

2017 gruben Archäologen des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie nahe dem Erfurter Tor, zwischen Karl-Marien-Straße, Muhmengasse und Turnvater-Jahn-Straße. Sie stießen auf Spuren aus der mittleren bis späten römischen Kaiserzeit und auf Scherben von Terra sigillata. Dieses römische Tafelgeschirr erkennt man an seiner roten, glänzenden Oberfläche, oft mit Verzierungen im Relief. [2]

Einordnung

Römisches Geschirr gelangte also bis ins heutige Arnstadt. Wer es mitbrachte, verraten die Scherben nicht. Denkbar sind Handel, ein Geschenk oder ein Besitzer mit Kontakten in andere Regionen. Über eine römische Garnison oder die Herkunft des letzten Besitzers sagen die Funde nichts aus. [2] [5]

Erfundene Alltagsszene auf Grundlage der Funde

Die rote Schale

KI-Illustration: Hände halten eine rote reliefverzierte Tonschale in einem einfachen Haus.
KI-generierte Illustration Für diese Erzählung erstellt. Menschen, Landschaft und Gebäude sind frei gestaltet. Das Bild ist keine historische Rekonstruktion.

Jemand reicht eine rote Schale über den Tisch. Der Mann neben ihm dreht sie zum Licht und fährt mit dem Daumen über die Verzierung. Dann stellt er sie vorsichtig ab. Vielleicht ist das gute Geschirr nur heute auf dem Tisch. Viele Jahre später wird von der Schale bloß eine Scherbe übrig sein. Eine Archäologin hebt sie aus der Erde, wischt sie sauber und erkennt den roten Glanz. Wem die Schale gehörte und was an jenem Tisch besprochen wurde, wird sie nicht erfahren.

Diese Szene ist erfunden. Ihr Ausgangspunkt sind die Terra-sigillata-Scherben aus Arnstadt. Wer das Geschirr besaß und benutzte, ist unbekannt. [2]

04
Umland · Zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr.

Haarhausen: römische Technik vor Ort

Nachbildung eines römischen Töpferofens unter einem hölzernen Schutzdach auf dem Experimentiergelände in Haarhausen.
Ein nachgebauter Töpferofen in Haarhausen

Ein nachgebauter römischer Töpferofen auf dem Gelände für experimentelle Archäologie in Haarhausen. Diese moderne Rekonstruktion wurde laut Bildmetadaten 2004 fotografiert.

Mazbln · Bildquelle · CC BY-SA 3.0 · Groß ansehen ↗

Im benachbarten Haarhausen wurde zwischen 1979 und 1986 eine Töpferwerkstatt mit mehreren Gebäuden ausgegraben. Oliver Mecking beschreibt drei Öfen, eine Trockenhalle, Werkgebäude und einen gepflasterten Platz zur Tonaufbereitung. Hier stellten Töpfer in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts graue Drehscheibenkeramik her. Sie nutzten dafür römische Technik. [3]

Die graue Ware aus Haarhausen ist etwas anderes als die rote Terra sigillata. Sie zeigt, dass Töpfer außerhalb des Reichs römische Herstellungstechniken übernahmen. Ob eine anderswo gefundene Scherbe aus Haarhausen stammt, erkennt man allerdings nicht an der Farbe. Dafür verglich Mecking die chemische Zusammensetzung der Keramik. Sein Beitrag von 2003 berichtet von rund 900 untersuchten Scherben aus etwa 50 Fundplätzen. [3]

Einordnung

Wer von einer römischen Töpferei in Haarhausen liest, sollte also an die Technik und die Verbindungen zum Römischen Reich denken. Eine römische Provinzstadt bei Arnstadt ist damit nicht nachgewiesen. [3] [5]

Erfundene Alltagsszene auf Grundlage der Funde

Warten vor dem Ofen

KI-Illustration: Ein Töpfer betrachtet ein Gefäß neben einem Brennofen.
KI-generierte Illustration Für diese Erzählung erstellt. Menschen, Landschaft und Gebäude sind frei gestaltet. Das Bild ist keine historische Rekonstruktion.

Der Töpfer hebt ein Gefäß vom Brett und fährt über den Rand. Noch eine Unebenheit. Er bessert sie aus und stellt es zu den anderen. Am Ofen wartet bereits die nächste Arbeit. Formen, trocknen, brennen: Ein Topf ist nicht an einem Nachmittag fertig. Ob die Mühe sich gelohnt hat, wird der Töpfer erst nach dem Brand sehen. Bis dahin bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich um die nächsten Gefäße zu kümmern.

Der Arbeitstag und der Töpfer sind erfunden. Öfen und weitere Teile der Werkstatt wurden in Haarhausen ausgegraben. Von einzelnen Handwerkern erzählen die Funde nichts. [3]

05
Thüringen · Regionaler Vergleich

Wie die Menschen zur Römerzeit lebten

Die Menschen im damaligen Thüringen wohnten in Pfostenhäusern, betrieben Landwirtschaft und hielten Vieh. Handwerker verarbeiteten Eisen, Bunt- und Edelmetalle. So beschreibt es das Museum in Weimar. Glas- und Bronzegefäße sowie kostbares Tafelgeschirr kamen zum Teil von weit her. Nicht alle konnten sich solche Dinge leisten: Reich ausgestattete Bestattungen wie das Grab von Haßleben zeigen, wie groß die sozialen Unterschiede sein konnten. [4]

Grenze der Aussage

Diese Beschreibung gilt für Thüringen insgesamt. Wie ein ganzes Dorf am Arnstädter Fundplatz aussah, lässt sich daraus nicht ableiten. Auch der Name Hermunduren, den wir aus römischen Texten kennen, bezeichnet einen regionalen Zusammenhang. Wie sich die Menschen hier selbst nannten, wissen wir aus den Scherben nicht. [4] [5]

06
Spätantike und frühes Mittelalter

Vom Thüringerreich zu den Webhäusern

Um 500 bestand in Mitteldeutschland das Königreich der Thüringer. Es hatte Verbindungen zum Ostgotenreich und unterlag 531 den Franken an der Unstrut, wie das Landesmuseum Halle beschreibt. Das gehört zur Geschichte der Region. Ein Königssitz oder ein Schlachtfeld in Arnstadt ist damit nicht belegt. [7]

In Arnstadt selbst kamen bei der Grabung von 2017 auch zwei in den Boden eingetiefte Nebengebäude zum Vorschein. Spinnwirtel und Webgewichte deuten darauf hin, dass dort gewebt wurde. Das Fundmaterial stammt aus der Merowingerzeit. Die Webhäuser sind damit jünger als die kaiserzeitlichen Funde derselben Grabung. [2]

Zeitlicher Rahmen

Der Übergang zum Mittelalter hatte keinen überall gültigen Stichtag. Nach den frühen Funden und der Urkunde von 704 führt diese Darstellung weiter bis zur Stadt um 1500.

07
Frühes Mittelalter · 704

Was die Jahreszahl 704 bedeutet

Eine auf 704 datierte Schenkung Hedens an Willibrord nennt einen Hof in Arnstadt. Das Original ist verloren. Erhalten ist der Text im Liber aureus der Abtei Echternach, einer Handschrift aus dem späten 12. Jahrhundert. Ein Bericht über das Arnstädter Kolloquium von 2016 erläutert diese Überlieferung anhand der Forschungen Olaf Schneiders. [8]

Einordnung

Dass wir nur eine spätere Abschrift besitzen, macht die Schenkung nicht automatisch unecht. Historiker müssen aber prüfen, wie zuverlässig sie den älteren Text wiedergibt. 704 ist deshalb die überlieferte Ersterwähnung Arnstadts. Die erste Siedlung kann wesentlich älter sein, und eine Stadt mit Stadtrecht war der genannte Hof noch nicht nachweislich. [8]

08
Frühes Mittelalter · Dezember 954

Als der König nach Arnstadt kam

Im Dezember 954 versammelte König Otto I. die Großen seines Reichs in Arnstadt. Hinter ihm lag der Aufstand seines Sohnes Liudolf und seines Schwiegersohns Konrad. Nach der Darstellung der Allgemeinen Deutschen Biographie wurden beide hier öffentlich begnadigt. Ihre Herzogtümer erhielten sie nicht zurück. Für einen Moment wurden in Arnstadt also Fragen entschieden, die weit über den Ort hinausreichten. [22]

Eine solche Versammlung verrät noch nicht, in welchem Gebäude die Beteiligten saßen oder wie die Siedlung aussah. Die herangezogene Darstellung beschreibt das politische Geschehen. Einen genauen Schauplatz innerhalb des heutigen Arnstadts legt sie nicht fest. [22]

09
Hochmittelalter · Stadtwerdung

1266: Die Bürger wollen verlässliche Rechte

1220 erscheint Arnstadt in den Urkunden als civitas, als Stadt. Am 21. April 1266 folgte das Stadtrechtsprivileg der Abtei Hersfeld. Die Urkunde reagiert auf ein Anliegen der Arnstädter Bürger: Sie wollten wissen, nach welchen Regeln ihre Angelegenheiten entschieden werden sollten. Als Vorbild dienten die Rechte und Gewohnheiten Hersfelds. [13] [23]

Der Abt gab Rechte, verlangte aber auch Gehorsam. Stadtrecht bedeutete deshalb keine vollständige Unabhängigkeit. Und es ließ die Stadt nicht an einem einzigen Tag entstehen. Die Jahreszahlen 704, 1220 und 1266 beantworten verschiedene Fragen: Wann wird der Ort genannt, wann als Stadt bezeichnet, und wann erhält er sein überliefertes Stadtrechtsprivileg? [13] [8] [23]

10
12. bis 14. Jahrhundert · Liebfrauenkirche und Klöster

Eine Kirche wächst, ein Kloster zieht um

An der Liebfrauenkirche wurde über lange Zeit gebaut. Die Stadt nennt ungefähr 1170 bis 1330 als Bauzeit, die Kirchgemeinde setzt den Beginn um 1230 an. Diese Angaben lassen sich nicht zu einem einzigen gesicherten Gründungsjahr zusammenziehen. Am Bau stehen romanische und gotische Formen nebeneinander. Die Kirche diente auch als Grablege der Schwarzburger. [20] [15]

Das Benediktinerinnenkloster St. Walpurgis ist erstmals 1196 belegt. Zunächst lag es auf dem Berg außerhalb der Stadt. Um 1309 wurde es an die Liebfrauenkirche verlegt. Eine Urkundenabschrift nennt unter den Gründen den beschwerlichen Aufstieg. In der Stadt lebten die Nonnen fortan näher an den Menschen und Besitzungen, mit denen ihr Kloster verbunden war. Für 1457 nennt das Thüringische Klosterbuch 32 Nonnen. [16] [17]

Die Nonnen waren nicht die einzige Ordensgemeinschaft. Um 1248 ließen sich Franziskaner in Arnstadt nieder. Ihre Klosterkirche ist die heutige Oberkirche. Wer beide Kirchen besucht, begegnet also verschiedenen Teilen des mittelalterlichen religiösen Lebens. [20]

Erfundene Szene zur Verlegung des Klosters

Das Buch im Bündel

KI-Illustration: Nonnen tragen Bücher und Bündel auf einem Weg hinunter zu einer Stadt.
KI-generierte Illustration Für diese Erzählung erstellt. Menschen, Landschaft und Gebäude sind frei gestaltet. Das Bild ist keine historische Rekonstruktion.

Der Weg führt bergab. Eine Nonne hält ein in Stoff eingeschlagenes Buch vor der Brust, damit es nicht an die Schnalle ihres Bündels schlägt. Hinter ihr bleiben die vertrauten Mauern zurück. Unten wartet die Stadt. Eine ältere Schwester bleibt kurz stehen und sieht noch einmal den Hang hinauf. Dann geht sie weiter. Ob die neuen Räume heller sein werden? Ob sie nachts die Geräusche der Straße hören wird? Darauf kann ihr heute niemand antworten.

Die Frauen, ihre Gedanken und dieser Umzugstag sind erfunden. Belegt ist die Verlegung des Klosters um 1309. Die Urkundenüberlieferung nennt den mühsamen Aufstieg als einen der Gründe. [16] [17]

Zu den unterschiedlichen Türmen der Liebfrauenkirche gibt es auch eine Sage: Der Meister und der schönere Turm.

11
13. und 14. Jahrhundert · Äbte, Grafen und Mauern

Wer hatte in Arnstadt das Sagen?

Die Abtei Hersfeld und die Grafen von Käfernburg-Schwarzburg teilten sich Rechte in Arnstadt und stritten um ihren Einfluss. 1273 erhielten die Käfernburger einen Anteil an der Stadt und die Burg Neideck als Lehen. Die käfernburgischen Rechte gingen 1306 an die Schwarzburger über. 1332 kauften diese schließlich den Hersfelder Stadtanteil. Das war ein Wechsel der Herrschaft, nicht die Neugründung Arnstadts. [14]

Zur Stadt gehörten Mauern und Tore. Teile der spätmittelalterlichen Befestigung sind erhalten. Der Neutorturm wird 1418 erstmals urkundlich genannt; der Bau dürfte älter sein. Seine späteren Aufbauten zeigen, dass auch ein mittelalterlicher Turm über Jahrhunderte verändert wurde. [19]

1349 wurde der Schwarzburger Graf Günther XXI. zum deutschen König gewählt. Seine Königsherrschaft dauerte nur wenige Monate; noch im selben Jahr verzichtete er und starb kurz darauf. In Arnstadts Geschichte berühren sich damit städtische Herrschaft und Reichspolitik. [21]

12
13. bis 15. Jahrhundert · Eine gefährdete Gemeinde

Jüdisches Leben und Verfolgung

Jüdische Menschen lebten im mittelalterlichen Arnstadt. Der früheste hier herangezogene Nachweis ist bereits eine Nachricht über Gewalt: 1264 wurden fünf Juden ermordet. Für 1273 sind jüdische Bewohner in einem Vertrag ausdrücklich erwähnt. Später belegen die Quellen eine Synagoge und einen Friedhof. Hinter diesen knappen Nachrichten steht eine Gemeinde mit einem eigenen religiösen Alltag. [18] [24]

1349 wurden beim Pogrom fast alle Arnstädter Jüdinnen und Juden ermordet. Die Verfolgung gehört in die Zeit der Pestpogrome. Juden wurden damals wahrheitswidrig beschuldigt, Brunnen vergiftet zu haben. Die Beschuldigung war ein Vorwand für Gewalt, keine Erklärung für die Seuche. [18] [24]

Im 15. Jahrhundert sind wieder jüdische Bewohner bezeugt. Phasen der Ansiedlung wechselten mit Vertreibungen. Ihre Geschichte passt deshalb nicht in das Bild einer Stadt, deren wachsender Wohlstand allen dieselbe Sicherheit bot. [18]

13
Spätmittelalter · Handel und Alltag

Wovon die Stadt lebte

Arnstadt lag an einer Verkehrsverbindung zwischen Nürnberg und Erfurt. Der Handel mit Waid spielte im Mittelalter eine wichtige Rolle. Der Fachbeitrag zu den Residenzstädten nennt außerdem Wolle, Gerbereiprodukte und Gewandschneider im Wirtschaftsleben der Stadt. So lässt sich hinter den Urkunden eine Stadt mit Warenverkehr und handwerklicher Arbeit erkennen. Die viel später bezeugten großen Brauereizahlen gehören allerdings nicht in dieses mittelalterliche Bild. [14] [23]

Ein kleiner Rechnungsposten bringt den Alltag besonders nahe: 1404 wurden beim Kloster an der Liebfrauenkirche Ausgaben für Bratwurstdärme notiert. Der städtische Reiseplaner führt ihn als frühen schriftlichen Beleg der Thüringer Bratwurst an. Was genau im Rezept stand und seit wann man sie zubereitete, sagt die Notiz nicht. Eine Rechnung kann eine Speise belegen, ohne ihr Geburtsdatum zu verraten. [21]

Erfundene Alltagsszene zum mittelalterlichen Handel

Noch einmal gegen das Licht

KI-Illustration: Eine Kundin prüft blaues Wolltuch am Stand eines mittelalterlichen Händlers.
KI-generierte Illustration Für diese Erzählung erstellt. Menschen, Landschaft und Gebäude sind frei gestaltet. Das Bild ist keine historische Rekonstruktion.

Der Händler schlägt das Tuch auseinander. Die Kundin nimmt eine Ecke zwischen Daumen und Zeigefinger und hält sie gegen das Licht. Sie sucht eine dünne Stelle. Er zieht den Stoff glatt und wartet. Vom Nachbarstand schiebt jemand einen Sack zur Seite, ein Kind drängt sich zwischen den Erwachsenen hindurch. Die Frau lässt das Tuch sinken und nennt ihren Preis. Der Händler schüttelt den Kopf. Gekauft ist noch nichts.

Eine frei erfundene Marktszene. Sie greift den belegten Handel und das Textilgewerbe auf. Personen, Gespräch und Marktstand sind nicht überliefert; auch der Farbton im Bild ist eine künstlerische Wahl. [14] [23]

Vom ehrlichen Maß erzählt die Sage der ruhelosen Bierzapferin.

14
Spätmittelalter · Bauten und ein kurzer Ausblick

Was von der Stadt um 1500 geblieben ist

In der Liebfrauenkirche ist der Flügelaltar von 1498 zu sehen, der ursprünglich aus der Oberkirche stammt. Solche Stücke führen näher an das späte Mittelalter heran als viele Fassaden am heutigen Markt. Das Rathaus war schon 1347 erwähnt, brannte aber 1459 ab. Der Bau von 1501 wurde nach dem Stadtbrand von 1581 erneut umgestaltet. Sein heutiges Erscheinungsbild ist wesentlich von der Renaissance geprägt. [19]

Auch Neideck begann als mittelalterliche Burg. Der Ausbau zum Renaissanceschloss folgte erst 1553 bis 1560. Historische Ansichten von 1650 oder 1798 zeigen deshalb eine Stadt, in der vieles bereits anders aussah als um 1400. Die alten Bilder auf dieser Seite bleiben wertvoll, wenn man ihre Entstehungszeit mitliest. [19]

Hier endet der mittelalterliche Teil um 1500. Ein kurzer Blick darüber hinaus erklärt den nächsten Bruch: 1533 wurde das Walpurgiskloster im Zuge der Reformation aufgehoben. Damit veränderte sich auch die Nutzung der Liebfrauenkirche. [16]

Was man sich in Arnstadt erzählte

Was man sich in Arnstadt erzählte

Warum heißt ein Felsen Jungfernsprung? Wer half der Witwe bei der Ernte? Solche Fragen beantworten die Arnstädter Sagen auf ihre eigene Weise. Die folgenden Geschichten sind frei nacherzählt. Dass sich die Ereignisse tatsächlich so zugetragen haben, ist nicht belegt.

Überlieferte Sage · freie Nacherzählung

Merowig und die Stadt der Adler

Alteburg · Gründungssage

KI-Illustration: Merowig und seine Begleiter betrachten zwei Adler über einem Flusstal.
KI-generierte Illustration Für diese Erzählung erstellt. Menschen, Landschaft und Gebäude sind frei gestaltet. Das Bild ist keine historische Rekonstruktion.

Am Abend schlägt König Merowig mit seinem Gefolge auf einer Höhe sein Lager auf. Als er morgens ins Tal blickt, will er nicht weiterziehen. Unten liegen die Auen der Gera. Über ihnen kreisen zwei Adler, die sich langsam zum Tal hinabsenken. Für Merowig ist das ein Zeichen: Hier soll eine Stadt entstehen. Er lässt seine Leute mit dem Bau beginnen und will bleiben, bis die Mauern stehen. So erhält die Stadt in Adelbergs Gedicht ihren Namen von den Aaren, einem alten Wort für Adler.

Frei nach H. Adelbergs Gedicht von 1878 in der Arnstadt-Chronik. Es erzählt eine Gründungssage. Merowigs Aufenthalt und die tatsächliche Herkunft des Stadtnamens sind damit nicht belegt. [10]

Überlieferte Sage · freie Nacherzählung

Der Sprung ins Ungewisse

Jonastal · Sage vom Jungfernsprung

KI-Illustration: Zwei Engel tragen eine junge Frau durch ein felsiges Tal.
KI-generierte Illustration Für diese Erzählung erstellt. Menschen, Landschaft und Gebäude sind frei gestaltet. Das Bild ist keine historische Rekonstruktion.

Die junge Frau hört den Reiter hinter sich. Sie läuft weiter, bis der Weg am Felsen endet. Vor ihr geht es steil ins Tal, hinter ihr kommt der Verfolger näher. Sie springt und vertraut sich den Engeln an. Die fangen sie auf und tragen sie heil hinunter. Der Reiter kann sein Pferd nicht mehr anhalten. Beide stürzen in die Tiefe. Seitdem, so erzählt die Sage, heißt der Felsen Jungfernsprung.

Frei nach der Ludwig Bechstein zugeschriebenen Fassung. In anderen Fassungen wird die Frau auf andere Weise gerettet. Ein historischer Beleg für die Verfolgung ist nicht bekannt. [11]

Überlieferte Sage · freie Nacherzählung

Die Helfer, die keinen Dank verlangten

Jonastal · Die Böhlersmännchen

KI-Illustration: Kleine Sagengestalten binden Getreidegarben für eine Witwe.
KI-generierte Illustration Für diese Erzählung erstellt. Menschen, Landschaft und Gebäude sind frei gestaltet. Das Bild ist keine historische Rekonstruktion.

Das Korn ist reif, doch niemand hat Zeit für das Feld der Witwe. Die wohlhabenden Bauern haben alle Erntehelfer verpflichtet. Wie soll sie nun ihre Kinder durch den Winter bringen? Weinend steht sie am Feld im Jonastal. Da fragt ein kleines Wesen nach ihrem Kummer. Sie erzählt von der Ernte, und es schickt sie in die Stadt: Sie soll einen Wagen holen. Als sie zurückkommt, ist das Korn geschnitten und zu Garben gebunden. Die Böhlersmännchen haben die Arbeit für sie erledigt. Die Witwe ruft ihren Dank in die Höhle am Sonnenberg hinein. Doch es bleibt still.

Frei nach der Überlieferung in Band 4 der Arnstadt-Chronik. Die Böhlersmännchen sind Sagengestalten. Aus der Geschichte von ihrer Höhle lässt sich nichts über eine vorgeschichtliche Besiedlung ableiten. [12]

Überlieferte Sage · freie Nacherzählung

Der Meister und der schönere Turm

Liebfrauenkirche · Späterer Arnstädter Sagenkreis

KI-Illustration: Ein Meister beobachtet seinen Gesellen bei der Arbeit, ein Hund sitzt daneben.
KI-generierte Illustration Für diese Erzählung erstellt. Menschen, Landschaft und Gebäude sind frei gestaltet. Das Bild ist keine historische Rekonstruktion.

Meister und Geselle bauen an der Kirche, jeder an einem Turm. Als die Leute den Turm des Gesellen loben, erträgt der Meister es nicht. Er stößt den Jüngeren hinunter. Der Hund des Gesellen springt seinem Herrn nach. Wer später das steinerne Tier am Bauwerk sieht, soll sich an ihn erinnern, erzählt die Sage.

Frei nach dem Ludwig Bechstein zugeschriebenen Arnstädter Sagenkreis. Die Geschichte gehört zur späteren Stadt, lange nach der Römerzeit. Ähnliche Sagen werden auch andernorts erzählt. Über den tatsächlichen Bau der Kirche gibt sie keine verlässliche Auskunft. [11]

Überlieferte Sage · freie Nacherzählung

Die Frau, die immer weitergehen muss

Walperholz · Die Sage vom vollen Maß

KI-Illustration: Der Geist einer Bierzapferin geht mit einem Gefäß um eine alte Buche.
KI-generierte Illustration Für diese Erzählung erstellt. Menschen, Landschaft und Gebäude sind frei gestaltet. Das Bild ist keine historische Rekonstruktion.

Unter den hohen Buchen wächst an einer Stelle kein Gras. Dort, heißt es, geht eine Frau um den Baum, immer im Kreis. Zu Lebzeiten schenkte sie Bier aus und gab ihren Gästen weniger, als ihnen zustand. Nun findet sie keine Ruhe. Wer zur rechten Zeit vorbeikommt, hört ihren Ruf: Voll Maß! Voll Maß! Die Sage nennt sie Frau Holle. Mit dem Kloster auf dem nahen Walpurgisberg verbindet sie der Ort, nicht ein belegter Lebenslauf.

Frei nach der Bechstein zugeschriebenen Sage. Ihr Entstehungsdatum ist hier nicht belegt; sie ist keine Nachricht über eine bestimmte mittelalterliche Wirtin. Sie begleitet das Kapitel über Handel als Erzählung vom ehrlichen Maß. [11]

15
Befund und Deutung

Was sich sagen lässt

War Arnstadt eine römische Stadt?

Dafür liefern die hier geprüften Quellen keinen Beleg. Sie zeigen römische Erzeugnisse und Kontakte in einer Region außerhalb des Imperiums. Für Haarhausen ist außerdem römische Produktionstechnik nachgewiesen. [3] [5]

Waren auch Menschen aus dem Römischen Reich hier?

Das ist möglich. Ein römischer Gegenstand verrät aber nicht, woher sein Besitzer kam. Die hier ausgewerteten Funde belegen den Aufenthalt bestimmter Personen aus dem Römischen Reich nicht. [2] [5]

Ist die Alteburg eindeutig eine keltische Stadt?

Der städtische Grabungsbericht beschreibt eine eisenzeitliche Wallanlage. Welchen Gruppen ihre Bewohner angehörten, klärt er nicht. Eine Bauform allein reicht für die Zuordnung als keltische Stadt nicht aus. [1]

Gab es eine ununterbrochene Siedlung seit der Steinzeit?

Das ist bisher nicht durch die hier ausgewerteten Quellen belegt. Funde aus verschiedenen Epochen können auch durch lange Zeiten ohne Besiedlung getrennt sein. Um die Frage zu beantworten, müsste man genauer wissen, wann welche Plätze bewohnt waren. [1] [6]

Wurde Arnstadt 1266 gegründet?

Nein. Der Ort ist schon vorher belegt und wird 1220 als Stadt bezeichnet. 1266 erhielt er das überlieferte Stadtrechtsprivileg nach Hersfelder Vorbild. [13] [14]

Zeigen die alten Stadtansichten das mittelalterliche Arnstadt?

Die hier gezeigten Stiche und Postkarten stammen aus späteren Jahrhunderten. Mittelalterliche Bauten können darin erhalten sein, doch die gesamte Ansicht darf nicht in die Zeit um 1400 zurückversetzt werden. [19]

Ist die Bratwurst 1404 in Arnstadt erfunden worden?

Das lässt sich aus dem Rechnungsbeleg nicht schließen. Er zeigt, dass damals Bratwurstdärme bezahlt wurden. Über den Beginn der Zubereitung oder ein genaues Rezept gibt er keine Auskunft. [21]

Die Orte auseinanderhalten

Wo welche Geschichte liegt

Arnstädter Altstadt
Hier liegt das Quartier, in dem 2017 gegraben wurde. Es ist heute überbaut. Was damals gefunden wurde, beschreibt der Grabungsbericht. [2]

Alteburg
Der Berg am Südrand Arnstadts wurde zu verschiedenen Zeiten genutzt. Die vorgeschichtlichen Funde sind älter als die späteren Befestigungsspuren. [1]

Haarhausen
Die Töpferwerkstätten liegen im Umland. Haarhausen ist ein eigener Fundplatz, getrennt von der Grabung in der Arnstädter Altstadt. [3]

Weimar
Das Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens stellt die Kaiserzeit und eine Rekonstruktion der Haarhausener Töpferei vor. [4]

Baugeschichte vor Ort

Was wurde wann und wo gebaut?

12./13. Jahrhundert bis etwa 1330

Liebfrauenkirche

An der Liebfrauenkirche, südwestliche Altstadt

Liebfrauenkirche mit mehreren Türmen über den Häusern der heutigen Stadt.
Die Liebfrauenkirche im Jahr 2017

Aufnahme vom 22. Juni 2017. Der mittelalterliche Kirchenbau wurde später mehrfach restauriert und verändert.

SchiDD · Bildquelle · CC BY-SA 4.0 · Groß ansehen ↗

Die Stadt setzt den Beginn um 1170 an, die Kirchgemeinde um 1230. Der Bau verbindet romanische und gotische Formen. Die Westtürme wurden im 19. Jahrhundert ab- und wiederaufgebaut. [20] [15]

Standort auf der Karte suchen ↗
Ab Mitte des 13. Jahrhunderts; Turm 1461

Oberkirche und Franziskanerkloster

Pfarrhof, südlich des Marktes

Hoher steinerner Glockenturm neben der Kirchenwand mit Spitzbogenfenstern.
Die Oberkirche am Pfarrhof

Aufnahme vom 29. September 2011. Die ehemalige Franziskanerkirche trägt Bauteile aus verschiedenen Jahrhunderten.

EliasDüsentrieb · Bildquelle · CC BY-SA 3.0 · Groß ansehen ↗

Die Franziskaner kamen um 1248. Der heutige Kirchenbau entstand in mehreren Schritten. Die Turmhaube und große Teile der Innenausstattung sind jünger als das Mittelalter. [20] [25]

Standort auf der Karte suchen ↗
Vor 1196 gegründet; um 1309 verlegt

Walpurgiskloster

Zuerst auf dem Walpurgisberg, dann an der Liebfrauenkirche

Zur illustrierten Erzählung

Das erste urkundliche Datum ist kein Baujahr. Auf dem Berg wurden Kirchenfundamente und weitere Gebäudereste freigelegt. Nach der Verlegung nutzten die Nonnen die Liebfrauenkirche. [16] [17]

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Burg 1273 erwähnt; Schlossausbau 1553–1560

Burg und späteres Schloss Neideck

Nordöstliche Altstadt, Schlossgarten bei der Ritterstraße

Treppe und Gewölbeöffnung in einer begrünten Schlossruine.
Mauerreste von Neideck

Aufnahme vom 24. April 2014. Die Ruine gehört zur Geschichte von Burg und späterem Renaissanceschloss; das Foto datiert einzelne Mauerstücke nicht.

Giorno2 · Bildquelle · CC BY-SA 4.0 · Groß ansehen ↗

Die mittelalterliche Burg gehörte zunächst zu Hersfeld. Die heute sichtbare Ruine enthält auch Reste des späteren Renaissanceschlosses. [14] [19]

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Mauern 1309 belegt; Neutorturm Ende des 14. Jahrhunderts

Stadtbefestigung und Neutorturm

Südlicher Altstadtrand, Durchgang Neutorgasse / Hohe Bleiche

Torturm mit Durchfahrt und hoher Dachhaube am Ende einer Gasse.
Der Neutorturm vor dem Brand

Aufnahme vom 29. September 2011. Zu sehen ist der Zustand vor dem Brand von 2024, keine Aufnahme des heutigen Bauzustands.

EliasDüsentrieb · Bildquelle · CC BY-SA 3.0 · Groß ansehen ↗

Der Turm wird 1418 erstmals genannt. Das Foto zeigt ihn 2011, vor dem Brand seiner Kuppel am 14. April 2024. [14] [19] [26]

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Kirche 1369 erwähnt; erhaltener Turm von 1484

Jakobskirche und Jakobsturm

Riedplatz

Das Kirchenschiff wurde 1667 abgebrochen. Der Turm blieb stehen; auch sein Dach wurde später verändert. [19]

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KI-Illustration einer frei erfundenen mittelalterlichen Kirchenbaustelle mit Steinmetzen und Holzgerüsten.
KI-generierte Illustration Eine frei gestaltete Kirchenbaustelle um 1300. Sie veranschaulicht die Arbeit am Stein, rekonstruiert aber weder die Liebfrauenkirche noch ein bestimmtes Arnstädter Bauereignis.
16 / Zum Nachlesen

Quellen und Grenzen der Recherche

Gesamte Textfassung ↓

Für diese Seite wurden öffentlich zugängliche Grabungsberichte, Archivregesten, Fachaufsätze und Museumstexte ausgewertet. Die Quellen sind direkt am Text verlinkt. Absätze mit der Überschrift „Einordnung“ erklären, welche Schlüsse sich daraus ziehen lassen. Beschreibungen aus anderen Teilen Thüringens gelten nicht automatisch auch für Arnstadt. Die Alltagsszenen sind erfunden; die Sagen folgen den jeweils genannten Überlieferungen.

Ein vollständiger Grabungskatalog und unveröffentlichte Unterlagen des Landesamtes wurden nicht ausgewertet. Deshalb bleibt manches offen: Wann genau waren die einzelnen Plätze besiedelt? Wie alt sind die verschiedenen Spuren auf der Alteburg? Und auf welchem Weg kam römisches Geschirr hierher? Der jüngste lokale Grabungsbericht, der in diese Darstellung eingeflossen ist, erschien 2025.

  1. [1]
    Ausgrabungen auf der Alteburg

    Stadt Arnstadt · 23.01.2025

    Amtlicher Kurzbericht zur Grabung beim Spielplatzbau. Belegt die vorgeschichtlichen Fundperioden und die eisenzeitliche Wallanlage. Die erwähnte Eisenfibel wird nur als aus dem 2. Jahrhundert bezeichnet, ohne vor oder nach Christus. Hier deshalb nicht genauer datiert.

  2. [2]
    Archäologische Ausgrabungen in Arnstadt

    TLDA / CS, veröffentlicht bei Archäologie Online · 21.07.2017

    Grabungsbericht für das Quartier nahe dem Erfurter Tor. Wichtigster direkter Beleg für kaiserzeitliche Funde und die davon zu trennenden merowingerzeitlichen Grubenhäuser.

  3. [3]
    Herkunftsbestimmung an grauer Drehscheibenkeramik des 3. Jahrhunderts aus Thüringen

    Oliver Mecking, Thüringisches Landesamt für Archäologische Denkmalpflege · 2003, S. 43 bis 45

    Fachbeitrag mit zugänglichem Autorenvolltext. Belegt Datierung, Ofenzahl und Produktionstechnik in Haarhausen; erläutert die chemische Herkunftsbestimmung von Keramik.

  4. [4]
    Römische Kaiserzeit

    Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens, Weimar · ohne Datumsangabe

    Das Museum beschreibt den Alltag, Importe, die Hermunduren und Haarhausen. Die Aussagen zu Thüringen insgesamt lassen sich nicht ohne Weiteres auf einzelne Fundplätze in Arnstadt übertragen.

  5. [5]
    Römer und Germanen

    Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens, Weimar · ohne Datumsangabe

    Erklärt Thüringens Lage außerhalb des Römischen Reichs und die notwendige Gegenprüfung römischer Schriftquellen durch archäologische Funde.

  6. [6]
    Das Kollektivgrab von Apfelstädt und das Aufkommen von Totenhütten in Thüringen

    Mario Küßner · 2016, S. 159 bis 180, besonders Abb. 1 und S. 161

    Fachaufsatz. Behandelt auch die Kollektivgräber Arnstadt-Egelsee und Rudisleben sowie spätneolithische Fundplätze zwischen Gotha und Arnstadt.

  7. [7]
    Königsdämmerung

    Landesmuseum für Vorgeschichte Halle · ohne Datumsangabe

    Museumsdarstellung des Thüringerreichs und seiner Niederlage gegen die Franken 531. Regionaler Kontext, kein Beleg für einen Arnstädter Königssitz.

  8. [8]
    750 Jahre Stadtrecht Arnstadt: Geschichte, Legenden, Mythen

    Arnstadt – wohin? · 15.07.2016

    Sekundärbericht über das stadtgeschichtliche Kolloquium mit Olaf Schneider. Verweist auf die späte Abschrift der Hedenurkunde und die Unterscheidung zwischen Ortsnennung und Stadtwerdung. Kein Ersatz für eine Urkundenedition.

  9. [9]
    Jungsteinzeit

    Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen · ohne Datumsangabe

    Allgemeine Epochenorientierung, etwa 5500 bis 2200 v. Chr. Die dort beschriebenen Häuser aus Westfalen werden nicht auf Arnstadt übertragen.

  10. [10]
    Arnstadt-Chronik, Band 2

    Bereitgestellt durch die Stadt Arnstadt · Sammlung älterer Beiträge

    Dokumentiert ältere Heimatgeschichtsschreibung und die Merowig-Sage. Ältere Datierungen und ethnische Zuschreibungen sind nicht ungeprüft als heutiger Forschungsstand übernommen. Außerdem: H. Adelberg, „Die Gründung Arnstadt’s“ (1878), gedruckte Seite 522 (PDF-Seite 7), als Vorlage der Merowig-Sage.

  11. [11]
    Sagen rund um Arnstadt

    Deutsche Sagen-Sammlung; Ludwig Bechstein zugeschriebene Überlieferungen · ohne Datumsangabe

    Textgrundlage für die freien Nacherzählungen vom Jungfernsprung und von Meister und Geselle. Dokumentiert Sagen, keine nachgewiesenen historischen Ereignisse.

  12. [12]
    Arnstadt-Chronik, Band 4: Die Böhlersmännchen

    Stadt Arnstadt; wiedergegebene Überlieferung aus „Wir wandern durch den Kreis Arnstadt“ · Vorlage um 1954

    Gedruckte Seite 1824 (PDF-Seite 269): Erntehilfe für eine Witwe durch die Böhlersmännchen. Quelle der freien Nacherzählung; kein archäologischer Beleg.

  13. [13]
    Stadtrechtsurkunde vom 21. April 1266

    Landesarchiv Thüringen, Archivportal · Urkunde 1266; modernes Findbuch

    Archivum Commune, Signatur 8 (klein). Regest der Urkunde. Der Rückverweis auf Karl den Großen betrifft die Hersfelder Rechtsüberlieferung und ist keine Gründungsurkunde Arnstadts.

  14. [14]
    Schwarzburg: Arnstadt, Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

    Harald Winkel; Akademie der Wissenschaften zu Göttingen · 2012, S. 1353–1354

    Wissenschaftlicher Überblick zu Stadtrecht, Herrschaftswechsel, Befestigung und mittelalterlicher Wirtschaft. Unsichere Anfänge der Hersfelder Herrschaft werden dort als solche benannt.

  15. [15]
    Die Liebfrauenkirche zu Arnstadt

    Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Arnstadt; Mathias Rüß · Oktober 2021

    Darstellung der Kirchgemeinde. Nennt einen Baubeginn um 1230; die städtische Übersicht setzt den Beginn bereits um 1170 an. Diese abweichenden Ansätze werden im Kapitel offengelegt.

  16. [16]
    Arnstadt, Walpurgiskloster/Nonnenkloster

    Karl Heinemeyer und Anselm Schedel; Thüringisches Klosterbuch · 5. Februar 1998

    Fachliche Übersicht: erstmals 1196 genannt, Verlegung um 1309, 32 Nonnen im Jahr 1457. Ein genaues Gründungsjahr ist nicht gesichert.

  17. [17]
    Rechte am verlegten Walpurgiskloster

    Landesarchiv Thüringen, Archivportal · 16. August 1309; Abschrift des 15. Jahrhunderts

    Sondershäuser Urkunden, Signatur 286. Das Regest nennt die beschwerliche Besteigung des Berges als einen Grund der Verlegung. Die erhaltene Fassung ist eine spätere Abschrift.

  18. [18]
    Jüdisches Leben in Thüringen: Arnstadt

    Themenportal Jüdisches Leben in Thüringen · ohne Datumsangabe

    Ortsabschnitt Arnstadt: Verfolgung 1264, Pogrom 1349, erneute Ansiedlungen und Vertreibungen im 15. Jahrhundert. Die Darstellung einer angeblichen Gründung der Erfurter Gemeinde durch Überlebende wird hier nicht übernommen.

  19. [19]
    Arnstadt: Kirchen und Baudenkmale

    Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, digitale Ausgabe · Datierung je Bauwerk

    Enthält neben der Liebfrauenkirche auch Stadtbefestigung, Neideck, Rathaus und Hospital. Trennt mittelalterliche Bauteile von späteren Umbauten.

  20. [20]
    Sehenswürdigkeiten in Arnstadt und Umgebung

    Stadt Arnstadt · ohne Datumsangabe

    Städtische Angaben zur Liebfrauenkirche, zur Ansiedlung der Franziskaner um 1248 und zum Altar von 1498.

  21. [21]
    Reiseplaner Arnstadt, Kunst und Kultur

    Stadt Arnstadt / Tourist-Information · 2021–2022

    Berichtet über Günther XXI. im Jahr 1349 und den Rechnungsbeleg für Bratwurstdärme von 1404. Der Beleg datiert eine schriftliche Nennung, nicht die Erfindung der Speise.

  22. [22]
    Otto I., Kaiser, Allgemeine Deutsche Biographie

    Historische Biographie, digital bei Wikisource · historischer Fachartikel des 19. Jahrhunderts

    Beschreibt die Versammlung in Arnstadt im Dezember 954 nach dem Aufstand Liudolfs. Ältere Darstellung; keine Grundlage für die genaue Lage oder Gestalt des Versammlungsortes.

  23. [23]
    Arnstadt, Residenzstädte im Alten Reich

    Annette Cremer; Akademie der Wissenschaften zu Göttingen · 2019, S. 16–19

    Fachbeitrag zu Stadtstruktur, Handel und Hof. Angaben aus dem 16. bis 18. Jahrhundert werden nicht in das Mittelalter zurückverlegt.

  24. [24]
    Arnstadt-Chronik, Band 1: Das Schicksal unserer jüdischen Mitbürger

    Stadt Arnstadt, Sammlung lokalhistorischer Beiträge · Sammlung älterer Beiträge

    Enthält Hinweise auf 1264, den Vertrag von 1273 und die Judenschule von 1347. Historische Zitate im Band enthalten antijüdische Deutungen; diese werden hier nicht als Tatsachen übernommen.

  25. [25]
    The Upper church in Arnstadt: a brief historical outline

    Oberkirche Arnstadt e.V. · 2021

    Baugeschichtlicher Überblick zur Franziskanerkirche und zu späteren Veränderungen.

  26. [26]
    Spendenaktion für den Neutorturm

    Stadt Arnstadt · 15. April 2024

    Datierung des Turms ans Ende des 14. Jahrhunderts und Bericht über den Brand am 14. April 2024. Dient auch zur zeitlichen Einordnung der Aufnahme von 2011.

Quellen recherchiert am 18. und 19.09.2026. Das Datum einer Veröffentlichung sagt nicht, wann die beschriebenen Funde gemacht wurden. Diese Seite fasst die Quellen redaktionell zusammen und ist keine amtliche Veröffentlichung.